Rollkur ade

NEIN…ich möchte hier keine allgemeine Diskussion über Rollkur führen, sondern aus einen Fall aus der Praxis schildern. Seit ca. 6 Monaten (eher mehr) hatte ich eine schicke junge Warmblutstute im Unterricht, die sich gerne extrem aufgerollt hat, selbst bei sehr leichter Anlehnung. Und gestern war schön zu sehen, dass sie dieses Verhalten fast komplett aufgegeben hat.

Es sollte jeden klar sein, dass dies kein Problem ist, welches sich schnell lösen lässt und es benötigt auch ein sehr diszipliniertes Reiten, da dieses Muster schnell zurückkommt.

Bei dieser Stute waren (und sind) es drei Dinge, die man berücksichtigen muss. Natürlich muss die häufigste Ursache abgestellt werden, eine Hand, welche sich festgestellt ist. Die unglückliche Formulierung „ruhige Hand“ führt oft dazu, dass die Hand sich nicht mehr in dem Maße mit bewegt, wie der Pferdekopf sich in den Gangarten bewegt. Immer wenn die Stute sich aufrollte haben wir sofort überprüft, ob die Hand sich mitbewegt (DASS ist Anlehnung- ruhig in Bezug zum Maul), und zur Korrektur die Hand 2 Zentimeter vorgegeben und etwas nachgetrieben.

Der zweite sehr wichtige Aspekt ist die Schulter: Pferde die sich aufrollen sind meist sehr unbeweglich in der Schulter und haben auch den Schwerpunkt zu weit vorne (Stichpunkt inaktive Serratus-Muskulatur). Das Training sollte daher darauf eingestellt sein, diese Muskulatur zu stärken und das Pferd gleichzeitig geschmeidiger in der Schulter zu bekommen, zum Beispiel durch viele Volten in Conterstellung. Auch Rückwärts am losen Zügel ist ein tolles Ziel bei solchen Pferden. Das Grundtempo sollte eher niedrig sein, damit der Schwerpunkt nicht nach vorne verloren geht.

Ebenfalls ist es wichtig, eine Dehnungshaltung zu bekommen, in der das Pferd seine Ganasche weit öffnet- das hilft die stark angespannte Muskulatur im Genick zu lockern.

Dafür haben wir mit einer Variante der „hohen Hand“gearbeitet, wobei es dort wichtig ist, auf das Timing zu achten. Falsch angewendet unterstützt es noch das aufrollen. Das ist auch der Grund, warum ich dies hier nicht detailiert beschreiben möchte, Selbstversuche bei solchen Methoden gehen oft nach hinten los. Allerdings haben wir dies nur eingesetzt, wenn die normalen „reiterlichen Einwirkungen“ nicht gegriffen haben.

An solchen Tagen macht Training noch mehr Spaß, wenn man sieht, dass eine auf Nachhaltigkeit angelegte Taktik zum Erfolg führt.

In diesem SInne wünsche ich euch ein tolles Wochenende mit soften Händen.

Thies

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Kategorien: Aktuelles, Reiten | Schlagwörter: , | Ein Kommentar

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